Schloss Jezeří, Barockschloss in Horní Jiřetín, Tschechische Republik
Schloss Jezeří liegt an der steil abfallenden Südflanke des Erzgebirges über Horní Jiřetín, unmittelbar über dem Braunkohlen-Großtagebau Důl ČSA. Der Barockbau, 1690 bis 1696 nach Plänen von Giovanni Battista Alliprandi errichtet, hat einen H-förmigen Grundriss aus vier Flügeln um zwei zum Land hin offene Höfe, mit zwei Türmen an den Westenden und dem höchsten Turm über dem Eingangsportal, das zwei von Johann Adam Dietz geschaffene Atlanten bewachen.
Die Festung entstand im 14. Jahrhundert in gotischer Form, wurde später während der Renaissance umgestaltet und erhielt schließlich unter der Familie Lobkowicz ihre barocke Gestalt. Diese Umwandlungen zeigen die wechselvolle Geschichte der Adelsarchitektur über mehrere Jahrhunderte.
Das Schlosstheater nahm 1802 den Betrieb auf, dazu kamen eine Jagdkapelle und der Eisenberger Gesangsverein; Konzerte im Schlosspark zogen Gäste von weither an. Goethe war zu Besuch, Beethoven ein enger Freund des Fürsten Josef František Maxmilián von Lobkowicz. Die oft behauptete Uraufführung der Eroica hier ist falsch: Die belegte private Uraufführung fand im Juni 1804 in Wien statt.
Führungen durch die Innenräume und den Schlosspark gibt es im Sommerhalbjahr; da die Räume nach 1950 für die Armee umgebaut wurden, sind schlichte Säle statt möblierter Salons zu erwarten. Das Schloss steht auf dem Gneis des Erzgebirges unmittelbar über dem Braunkohlen-Großtagebau Důl ČSA, weniger als 500 Meter von dessen Rand entfernt.
1987 sollte das Schloss wegen der Ausweitung des Braunkohlen-Großtagebaus ČSA abgerissen werden, obwohl es auf Gneis außerhalb des Kohlefelds steht. Von 1988 bis 1991 führte eine Bürgerinitiative die ersten Dachreparaturen aus; 1991 wurde das Gut der Familie Lobkowicz rückübertragen, die es 1996 wieder an den Staat abgab.
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