Martinskirche Deutsch Schützen, Mittelalterliche Kirche in Deutsch Schützen-Eisenberg, Österreich
Die Martinskirche Deutsch Schützen ist eine ruinöse ehemalige Pfarrkirche etwa 800 Meter außerhalb des Ortskerns. Erhalten ist der einjochige gotische Chor mit Fünfachtelapsis und Strebepfeilern; das Gewölbe ruht auf schlanken Runddiensten und Dienstbündeln. In der südlichen Innenmauer befinden sich eine Sakramentsnische und der Grabstein des Georg Debreczenyi († 1593).
Die heutige Kirche wurde um 1400 errichtet und 1751 barockisiert; bis 1938 war sie Pfarrkirche. Ausgrabungen 1970/71 legten die Fundamente einer romanischen Kirche und eines römerzeitlichen Friedhofs frei. Von der romanischen Kirche sind zwei Doppelkapitelle erhalten, und eine Glocke aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts befindet sich heute in der Sammlung Pfundner in Wien.
Der Ort heißt auch Livio-Čjeka (kroatisch) und Németlövő-Csejke (ungarisch), was die Mehrsprachigkeit des Burgenlands zeigt. An der Kirche, dem Sammelpunkt von etwa 850 jüdischen Zwangsarbeitern im März 1945, hängt eine vom österreichischen Botschafter in Israel Herbert Kröll gestiftete Gedenktafel. 1995 wurde das Grab der Massakeropfer wiederentdeckt; am 13. September wurden die Toten dort nach halachischen Vorschriften von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg bestattet.
Die Kirche steht etwa 800 Meter außerhalb des heutigen Ortskerns, im Bereich der früheren Ortsmitte von St. Martin. Dach und Westturm stürzten 1945 ein, die Kirche wurde teilweise demoliert; sie ist eine Ruine und nicht für Besucher geöffnet. Die Gedenktafel für die 1945 hier versammelten Juden ist an der Kirche angebracht.
Eine Glocke aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die ursprünglich zur Kirche gehörte, wird heute in der Pfundner-Sammlung in Wien aufbewahrt. Das Stück zeigt die kunsthandwerkliche Qualität und Bedeutung, die dieser Kirche in früheren Zeiten zukam.
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