St. Valentin, Gotische Kirche in Kiedrich, Deutschland
St. Valentinus ist eine spätgotische Basilika in Kiedrich, errichtet aus rotbraunem Stein mit steilem Schieferdach, einem quadratischen Turm mit spitzer Haube und roten Zifferblättern sowie hohen Spitzbogenfenstern. Im Inneren säumen Spitzbögen und dunkle geschnitzte Bänke das Mittelschiff; eine helle steinerne Empore mit Maßwerk spannt sich unter drei Glasfenstern, und ein Messingkronleuchter hängt am Rippengewölbe.
Die Seitenschiffe stammen von 1380, Langhaus und Chor entstanden Ende des 15. Jahrhunderts; 1493 war die Kirche vollendet. Um 1350 kamen die Valentinsreliquien aus Kloster Eberbach nach Kiedrich, und Spenden der Pilger bezahlten den Bau. Die Michaelskapelle mit Beinhaus steht auf dem ummauerten Kirchhof neben der Kirche.
Die Kiedricher Chorbuben, urkundlich erwähnt seit 1333, singen eine germanische Sonderform des gregorianischen Chorals auf Latein im sonntäglichen Choralhochamt, außer in den Sommerferien. Der Countertenor Andreas Scholl begann hier als Chorknabe; seine Schwester Elisabeth war das erste Mädchen, das in der Schola zugelassen wurde.
Die Kirche steht im Zentrum von Kiedrich; ihre Westfassade liegt zum ummauerten Kirchhof hin, auf dem die Michaelskapelle mit Karner steht. Die Kiedricher Chorbuben singen jeden Sonntag im Choralhochamt, außer in den Sommerferien, sodass der Sonntagvormittag von Gottesdienstbesuchern geprägt ist. Während der Gottesdienste halten sich Besucher in den Seitenschiffen auf.
Die Orgel wurde um 1500 von einem unbekannten Orgelbauer gefertigt und ist die älteste spielbare Orgel Hessens. Sir John Sutton finanzierte 1858 die Renovierung durch den belgischen Orgelbauer August Hooghuys; von 1985 bis 1987 restaurierte Orgelbau Kuhn das Werk. 1722 wurde ein Pedal ergänzt.
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