Kirche Sinstorf, Kirchengebäude in Sinstorf, Hamburg, Deutschland
Die Kirche Sinstorf ist ein Feldsteinbau auf einem Hügel in Sinstorf, heute im Hamburger Bezirk Harburg. Seit dem Umbau von 1416 ist sie eine einschiffige Saalkirche: Das nördliche Seitenschiff wurde aufgegeben, das andere mit dem Hauptschiff vereint, sodass von der dreischiffigen Basilika um 1200 nur vier romanische Rundbogenfenster in der Nordwand und zwei vermauerte Arkaden zeugen. 1906/1907 entstand unter Karl Mohrmann eine neoromanische Vorhalle im Westen; südöstlich steht ein freistehender hölzerner Glockenturm mit steilem Ziegeldach.
Grabungen in den 1960er-Jahren wiesen eine Holzkirche aus dem 11. Jahrhundert nach, möglicherweise gab es einen Vorgängerbau aus Holz. Um 1200 entstand auf dem Hügel eine dreischiffige Feldsteinbasilika, die mit Wehrgräben auch als Fluchtkirche diente. Nach Zerstörungen wurde die Kirche 1416 in ihre heutige einschiffige Form umgebaut, das nördliche Seitenschiff aufgegeben und im Westen ein Rundturm angebaut. 1660 wurde der Chor verbreitert und die Kirche zur Saalkirche umgestaltet; der Rundturm wurde abgerissen.
Die Kirche trägt nicht das oft behauptete Patrozinium St. Ansgar, dafür fehlt jeder Beleg; korrekt ist Kirche Sinstorf. Im Inneren zeigt ein Relief des Lüneburger Künstlers Cord Snitker von um 1480 die „Ohnmacht Marias“, und 30 Ölbilder an der Empore stellen Apostel und Propheten dar. An der Südwand hängt das beschädigte Epitaph des Conrad von Windheim, der 37 Jahre hier Prediger war.
Die Kirche liegt auf einer Anhöhe in Sinstorf; südöstlich steht der freistehende hölzerne Glockenturm, vor ihr auf der Wiese ein Steinmonument. Der Kirchhof, bis 1885 als Friedhof genutzt, bewahrt einige alte Grabsteine. 2004 bis 2006 wurden Wände und Fundament mit Zement verstärkt, weil die Strebepfeiler von 1906/1907 zusätzliches Gewicht statt Stütze brachten.
Die älteste Glocke goss der Hamburger Glockengießer Johann Nicolaus Bieber am 9. Juni 1773 aus einer damals bereits 299 Jahre alten Glocke neu. 1943 für die Kriegsindustrie abgegeben, kam sie am 24. April 1947 unbeschädigt zurück. Zwei weitere Glocken, eine von 1699 und eine kleinere von 1835, wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen.
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