Popperöder Brunnenhaus, Brunnenhaus in Mühlhausen, Deutschland
Das Popperöder Brunnenhaus ist ein massiver Steinbau mit Fachwerkobergeschoss, den 1614 der Baumeister Hans Rinke und der Zimmermeister Matthes Lauberbach errichteten. Das Erdgeschoss öffnet sich in drei Rundbögen zur Quelle, und eine Vorhalle mit zwei toskanischen Säulen liegt an der kreisrunden Quellfassung aus Travertin. Das Schieferdach trägt fünf Ziertürmchen, das Fachwerk ist mit geschweiften Andreaskreuzen geschmückt.
Die Quelle entstand 1199 nach einem Erdbeben, das eine natürliche Senke schuf, und das Brunnenhaus selbst wurde 1614 unter Bürgermeister Gregor Fleischhauer erbaut. Das Gebäude wurde entwickelt, um die bereits geschätzte Wasserstelle zugänglich und nutzbar zu machen.
Der Name Popperöder stammt von der seit 1552 wüsten Ortschaft Poppenrode. Seit 1605 findet alljährlich zu Beginn des Sommers das Brunnenfest statt, das abwechselnd von Mühlhäuser Grundschulen ausgerichtet wird: Ein farbenfroher Umzug zieht von der Schule zum Brunnenhaus, dort werden die traditionellen Brunnenfesttänze aufgeführt und die Quelle mit Sträußen geschmückt, die mit Steinen beschwert und in den Brunnen versenkt werden. Besucher werfen zudem Münzen als Opfer für Wünsche in den Brunnen; im Sediment liegen noch viele Aluminiummünzen aus der DDR-Zeit.
Das Brunnenhaus liegt etwa vier Kilometer westlich der Mühlhäuser Innenstadt beim Naherholungsgebiet Schwanenteich, am Ort der Wüstung Popperode. Die Quelle entspringt auf 227,6 m ü. NN. Die Ausstellung im Inneren ist nur während Trauungszeremonien und am Tag des Brunnenfestes zugänglich; Besucher sehen daher meist das Äußere und die Quellfassung.
Die Quelle ist 3,8 m tief und beherbergt einen beständigen Bestand des Gemeinen Tannenwedels (Hippuris vulgaris), einer in Thüringen seltenen und stark gefährdeten Pflanze. Trotz jährlicher Reinigung mit Spezialsaugern liegen im Sediment weiterhin viele Münzen, darunter zahlreiche Aluminiumstücke aus der DDR-Zeit.
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