Martinskirche, Evangelisch-lutherische Kirche in Dautphe, Hessen, Deutschland
Die Martinskirche in Dautphe ist eine evangelische Saalkirche aus Bruchsteinmauerwerk auf einer leichten Anhöhe, bestehend aus drei verbundenen Baukörpern: einem Schiff des 11. Jahrhunderts, einem fensterlosen Westanbau, dem Wendelstein, und einem um 1275 ergänzten östlichen Chorturm. Die Schiffsmauern sind weitgehend im Fischgrätenverband aufgeführt; ein rundbogiges Tympanon über dem Südportal von 1959/60 zeigt den hl. Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt.
Dautphe wird im Lorscher Codex 791 erstmals als Zentrum der Heidenmission im Hessischen Hinterland erwähnt. Um 1100 entstand die steinerne Kirche; im 12. Jahrhundert kam an der Westseite der fensterlose Wendelstein hinzu, um 1275 ersetzte ein östlicher Chorturm den aufgegebenen Westturm. 1526 nahm Dautphe das evangelische Bekenntnis an, und Albanus Nepotianus wirkte von 1529 bis 1535 als erster lutherischer Pfarrer.
Die Kirche ist dem heiligen Martin geweiht, dem fränkischen Nationalheiligen, der 1279 auf dem Siegel des Plebans Konrad erscheint. Dautphe war im Mittelalter Sitz des Sendgerichts, und zum Kirchspiel gehörten nach der Abtrennung von Buchenau und Eckelshausen noch 15 Ortschaften. Das Tympanon über dem Südportal von 1959/60 gibt eine mittelalterliche Darstellung des Mantelteilens mit einem Bettler wieder.
Die Kirche steht auf einer leichten Anhöhe in einem ummauerten Kirchhof, der bis 1816 als Begräbnisstätte diente. Das Südportal mit dem rundbogigen Tympanon, das den hl. Martin beim Mantelteilung zeigt, ist der Hauptzugang; an der Westseite wurden 1960 ein spitzbogiges Portal und zwei kleine Fenster eingebrochen. Ins Innere führen mehrere Türen zu den Emporen.
Der Dachstuhl, dendrochronologisch auf einen Einschlag im Winter 1087/1088 datiert, gilt als der älteste Deutschlands und einer der ältesten Europas. Die Eichenbalken wurden frisch geschlagen verbaut, weshalb eine Errichtung im Jahr 1088 anzunehmen ist.
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