Opferstein von Quoltitz, Findling in Quoltitz, Rügen, Deutschland
Der Opferstein von Quoltitz ist ein Findling aus Karlshamn-Granit mit großen rosafarbenen Feldspaten, etwa 4,80 m lang, 3,9 m breit und 2,80 m hoch, bei 13,0 m Umfang und 73 t Masse. Er liegt nördlich von Neddesitz in der Gemarkung Quoltitz (Sagard) am Rand des Nationalparks Jasmund. Eine Linden-Baumgruppe umsteht ihn kreisförmig; ihr Schatten begünstigt Flechten und Moose, die die Oberfläche schwer lesbar machen.
Karl Nernst beschrieb den Stein erstmals 1797 in seinen „Wanderungen durch Rügen“. Caspar David Friedrich zeichnete ihn am 17. Juli 1806 und malte 1816 nach dieser Zeichnung „Opferstein bei Quoltitz im Morgenrot“, das heute als verschollen gilt. Johann Jacob Grümbke behandelte ihn 1805 und 1819.
Die Einheimischen nennen die 5 bis 6 cm großen Schälchen auf dem Stein „Blutgrapen“; sie sind sehr frühen Ursprungs und gelten als kultisch-rituelle Zeichen, deren Zweck die Forschung nicht geklärt hat. Eine etwa 12 cm breite und tiefe Rinne verläuft am nordwestlichen Ende, gedeutet als Versuch, den Stein zu teilen, oder als rituelle Spur.
Der Stein liegt im Wald in einem schattigen Bereich, dessen Boden feucht bleibt; festes Schuhwerk ist sinnvoll. Die von Flechten und Moosen bedeckte Oberfläche lässt die Schälchen und die Rinne kaum hervortreten; sichtbar werden sie bei streifendem Licht am frühen Morgen oder späten Nachmittag. Das Geotop ist unter der Signatur „G2 072“ erfasst; Proben sollten nicht entnommen werden.
Der Name des Steins könnte vom altnordischen „kval“ stammen, was Qual oder gewaltsamen Tod bedeutet, passend zum nahen Flurstück, das einst „Bloodbek“ (Blutbach) hieß. Archäologen fanden hier menschliche Knochenreste, eine große Feuersteindolchspitze und Bernsteinperlen, was die Diskussion über blutige Opfer neu entfachte.
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