Kastell Öhringen-West, Römisches Militärkastell in Öhringen, Deutschland
Das Kastell Öhringen-West war eine römische Militäranlage, die auf einer Terrasse zwischen dem Fluss Ohrn und dem Bach Maßholderbach lag. Die quadratische Anlage war etwa 159 Meter lang und 152 Meter breit und nahm eine Fläche von etwa 2,18 Hektar ein.
Das Kastell wurde erstmals 1766/1767 von dem Archivar Christian Ernst Hanßelmann als römische Anlage erkannt, der 1768/1769 auch das benachbarte Ostkastell lokalisierte. Auslöser seiner Forschungen war eine 1765 von der Mannheimer Akademie gestellte Preisfrage. Beim Bau der Bahnlinie südlich des Kastells wurden 1878/1879 eine Hypokaustanlage nebst Ziegelstempeln entdeckt, die die Reichs-Limeskommission später mit einem von Hanßelmann beschriebenen Kastellbad in Verbindung brachte.
Der Flurname „Untere Bürg“ hielt die Erinnerung an eine Befestigung bis in die frühe Neuzeit wach, und bereits in vorrömischer Zeit war der Bereich besiedelt. Der Archäologe Hans Schönberger fand dort in den 1960er Jahren die Reste eines Hauses, dessen Grundriss sich aus einem unregelmäßigen Gräbchen und drei rechtwinklig dazu angelegten Reihen von Pfostengruben ergibt.
Die archäologischen Überreste liegen heute unter dem Hohenloher Krankenhaus begraben und sind nicht direkt zugänglich. Funde aus dem Fort sind stattdessen im Weygang-Museum in Öhringen ausgestellt, wo Besucher Artefakte besichtigen können.
Das Fort durchlief mehrere Bauphasen, beginnend mit Holzstrukturen, die später durch Steinbefestigungen ersetzt wurden. Reste von Heizungsanlagen und Wasserleitungssystemen sind teilweise erhalten geblieben und zeigen die technischen Standards der römischen Militärarchitektur.
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