Großer-Belt-Verbindung, Feste Straßen- und Schienenverbindung zwischen Seeland und Fünen, Dänemark.
Das System erstreckt sich über 18 Kilometer des Großen Belt und besteht aus zwei separaten Bauwerken: einer Eisenbahnverbindung über die Insel Sprogø mit Tunnelröhre sowie einer Straßenbrücke weiter nördlich. Die Ostbrücke überspannt die Hauptschifffahrtsrinne mit einer Hängebrückenkonstruktion von 1.624 Metern Länge, während die Westbrücke als niedrigere Kastenträgerbrücke mit 6.611 Metern die Gewässer westlich von Sprogø überquert. Beide Strukturen führen den Verkehr auf getrennten Trassen zwischen Halsskov auf Seeland und Knudshoved auf Fünen.
Die Planungen für eine Beltquerung begannen bereits in den 1930er Jahren, doch erst 1986 beschloss das dänische Parlament den Bau nach jahrzehntelangen Debatten über technische Machbarkeit und Finanzierung. Die Arbeiten starteten 1988 unter Federführung der staatlichen Gesellschaft A/S Storebælt, wobei der Eisenbahntunnel 1997 und die Straßenbrücke 1998 eröffnet wurden. Das Projekt kostete umgerechnet 4,4 Milliarden Euro und galt bei Fertigstellung als größtes Infrastrukturvorhaben in der skandinavischen Geschichte.
Die feste Verbindung schuf eine durchgehende Landroute zwischen Kopenhagen und Jütland, wodurch Seeland seine jahrhundertelange verkehrsmäßige Isolation verlor. Der Wegfall der Fährverbindung veränderte die Wirtschaftsstrukturen beider Inseln grundlegend und ermöglichte neue Pendlerströme zwischen den regionalen Arbeitsmärkten. Heute nutzen täglich über 27.000 Fahrzeuge diese Querung, die das dänische Festland erstmals direkt mit der Hauptstadtregion verbindet und den nationalen Zusammenhalt physisch manifestiert.
Die Mautgebühr beträgt 245 dänische Kronen für Personenwagen und kann elektronisch oder an Zahlstationen entrichtet werden, wobei Abonnements für Vielfahrer Ermäßigungen bieten. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten zwischen den Mautstationen auf beiden Seiten. Fußgänger und Radfahrer dürfen die Brücken nicht benutzen, können aber einen Bustransfer buchen. Servicebereiche mit Toiletten und Verpflegungsmöglichkeiten befinden sich an beiden Enden der Strecke, nicht auf den Brücken selbst.
Der 8-Kilometer-Bahntunnel unter dem östlichen Belt liegt 75 Meter unter dem Meeresspiegel und war bei Eröffnung der tiefste Unterwassertunnel Europas. Während der Bauarbeiten entdeckten Ingenieure unerwartet große Mengen Tongestein statt des erwarteten Sandbodens, was die Tunnelbaumethode zwang. Die Tunnelröhren wurden in einer Trockendockanlage bei Nyborg vorgefertigt, auf dem Meeresgrund positioniert und miteinander verbunden.
Die Community neugieriger Reisender
AroundUs vereint tausende ausgewählte Orte, lokale Tipps und versteckte Schätze, täglich bereichert von über 60,000 Mitwirkenden weltweit.