Eisriesenwelt, Natürliche Eishöhle in Werfen, Österreich
Das Höhlensystem erstreckt sich über 42 Kilometer in den Tennengebirge-Massiv und zeigt Eisformationen, die durch eindringendes Schmelzwasser und winterliche Kaltluftströme entstehen. Stalaktiten und Stalagmiten aus Eis reichen vom Boden bis zur Decke in mehreren unterirdischen Kammern. Kalksteinwände umgeben gefrorene Wasserfälle und Eissäulen, während natürliche Gänge sich in verschiedene Richtungen durch den Berg verzweigen.
Anton Posselt, ein Gymnasiallehrer aus Salzburg, drang 1879 erstmals systematisch in die Höhle ein und dokumentierte seine Entdeckungen. Alexander von Mörk organisierte zwischen 1912 und 1913 mehrere Expeditionen, die kartografische Arbeiten durchführten und die zugänglichen Bereiche erweiterten. Eine Seilbahn wurde 1955 installiert, um den Zugang für Besucher zu erleichtern, nachdem frühere Touristen einen steilen Bergpfad bewältigen mussten.
Generationen von Oberösterreichern betrachteten die Höhle als unerklärliches Naturphänomen, bevor wissenschaftliche Expeditionen im frühen 20. Jahrhundert begannen, die Eisbildungsprozesse zu dokumentieren. Lokale Bergführer entwickelten Techniken für sichere Besichtigungen und etablierten Standards, die heute weltweit für Eishöhlentouren gelten. Die Erschließung veränderte Werfen von einem Agrardorf zu einem international bekannten Ausgangspunkt für Höhlenforschung und alpinen Tourismus.
Die geführten Touren dauern 75 Minuten und erfordern warme Kleidung sowie feste Schuhe, da Innentemperaturen konstant bei null Grad Celsius liegen. Eine Seilbahn bringt Besucher vom Tal zur Höhleneinstiegsstelle, gefolgt von einem 20-minütigen Fußmarsch. Führungen finden von Mai bis Oktober statt, wobei Reservierungen während der Sommermonate empfohlen werden. Mobilität ist erforderlich für etwa 1.400 Stufen während des Rundgangs.
Der Eingangsbereich misst 20 Meter in der Breite und 18 Meter in der Höhe, wodurch natürliche Windströmungen entstehen, die ganzjährig zur Eisbildung beitragen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass winterliche Kaltluft im Höhleninneren zirkuliert und beim Auftauen von Schnee im Frühling die Eiskristalle bildet. Diese Luftbewegung verhindert sommerliches Schmelzen in den tiefer gelegenen Kammern.
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