St. Gallus, Romanische Kirche in Augsburg, Deutschland
St. Gallus ist eine kleine, einschiffige Kirche auf dem Gallusbergle im Augsburger Domviertel, deren Kern aus dem 11. Jahrhundert stammt. Der weiß verputzte Bau hat ein rotes Ziegeldach mit kleiner Dachgaube und dunkler Firstzier, links einen Turm mit grauem Spitzhelm über einem achteckigen Glockengeschoss mit Bogenöffnungen. Die Hauptfassade zeigt ein großes Bogenfenster mit dunklem Gitter, zwei Rundfenster und einen bogenförmigen Eingang mit Steinrahmen.
Die Kirche wurde um 900 auf den Überresten eines römischen Heiligtums errichtet und später von Papst Leo IX. bei dessen Besuch im 11. Jahrhundert gesegnet. Diese Überlagerung von antiker und christlicher Geschichte prägte das Bauwerk von Anfang an.
Kirchenpatron ist der heilige Gallus, ein irischer Mönch; das Patrozinium verweist wohl erst auf das 11. Jahrhundert, als Papst Leo IX. den Bau 1051 neu weihte. Zuvor dürfte die Kirche das Stephans-Patrozinium getragen haben, das später auf die benachbarte Kirche St. Stephan überging. Eine gestiftete Kaplanstelle ist seit 1367 belegt.
St. Gallus steht auf dem Gallusbergle am Gallusplatz im Domviertel, unmittelbar an der historischen Stadtmauer und neben dem Kloster St. Stephan. Die kleine Kirche wurde bis vor wenigen Jahren von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt und 2002 umfassend saniert. Sie gehört zum Sprengel der Dompfarrei, der Zugang richtet sich daher nach deren Gottesdiensten.
Die Ausgrabungen von 1958 bis 1962 unter St. Gallus legten die größte bekannte römische Basilika rechts des Rheins frei, eine Transeptbasilika aus dem 4. oder frühen 5. Jahrhundert, wahrscheinlich die älteste Bischofskirche Süddeutschlands. Die heutige Kapelle nimmt nur einen Teil ihrer Apsis ein.
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