Saint Gorgon, Gotische Kirche in Varangéville, Frankreich
Saint Gorgon ist eine gotische Kirche in Varangéville mit drei Schiffen von gleicher Höhe und acht Jochen. Der Kirchenbau erstreckt sich über eine beträchtliche Länge und endet mit einer fünfeckigen Apsis.
Eine dem heiligen Gorgonius geweihte Kirche wurde am 28. April 1057 von Bischof Odon von Toul unter dem Abbatiat Heinrichs von Gorze konsekriert. Der heutige Bau entstand im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts: Der Schlussstein des Chorjochs trägt das Wappen des Priors Jean de Lorraine mit dem Kardinalshut, den er am 28. Januar 1518 erhielt, und das dritte axiale Joch ist mit 1528 datiert. Die dickeren Pfeiler des ersten Jochs deuten auf einen nie gebauten Turm hin; die Arbeiten endeten, als Nicolas de Tanaguy 1545 Jean de Lorraine als Kommendatarprior ablöste. Der romanische Westturm diente bis zur Revolution als Glockenturm und steht heute auf Privatgrund.
Varangéville galt als „Mutterkirche von Saint-Nicolas“: Bis 1863 lag der Friedhof von Saint-Nicolas-de-Port auf seiner Gemarkung, und wohlhabende Portenser ließen sich in der Kirche bestatten, die übrigen auf dem angrenzenden Friedhof. Bei Platzmangel wurden die Gebeine entfernt, der Schädel aber in die Mauer eingelassen – die encastrés. 1760 ließ der Architekt des Königs sie beseitigen; an der Ostmauer zeugen noch einige Epitaphe davon.
Die Kirche steht in Varangéville im Département Meurthe-et-Moselle und ist seit 1907 als Monument historique eingestuft. Das Schiff betritt man über die Mittelachse, mit Bänken zu beiden Seiten und einem Steinweg zum Altar mit seinem Retabel. Der frühere romanische Turmportikus, bis zur Revolution Glockenturm, gehört heute zu einem Privatgrundstück und ist nicht zu besichtigen.
Die Mauern der Kirche enthalten eingebettete Schädel wohlhabender Verstorbener aus Saint-Nicolas-de-Port nach einer regionalen Bestattungstradition. Diese ungewöhnliche Praxis zeigt die Bedeutung sozialer Unterschiede auch nach dem Tod.
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