Tanzendes Haus, Dekonstruktivistisches Bürogebäude in Neustadt, Tschechische Republik.
Zwei kontrastierende Türme bilden das Gebäude: ein gläserner Zylinder mit geschwungenen Formen und ein Betonsegment mit senkrechten Linien sowie Stützsäulen. Der gläserne Turm neigt sich zum benachbarten Betonkörper, wodurch die Illusion einer Bewegung entsteht. Die Konstruktion erhebt sich an einer Ecke entlang der Moldau und weicht deutlich von den umgebenden historischen Gebäuden ab, wodurch ein architektonischer Dialog zwischen Alt und Neu entsteht.
Die Errichtung erfolgte zwischen 1994 und 1996 auf einem Grundstück, wo ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert bei einem US-amerikanischen Bombenangriff 1945 zerstört worden war. Der tschechische Architekt Vlado Milunić arbeitete mit dem US-amerikanischen Architekten Frank Gehry zusammen, um ein Bauwerk zu schaffen, das Prags Übergang zur Marktwirtschaft markierte. Das Projekt erhielt Unterstützung vom damaligen Präsidenten Václav Havel, der in der Nachbarschaft lebte.
Die Einheimischen bezeichneten das Gebäude anfangs als "Ginger und Fred" in Anlehnung an das bekannte Tanzpaar, wobei die beiden Türme jeweils einen Tänzer darstellen sollten. Das Bauwerk löste nach seiner Vollendung intensive Debatten über moderne Architektur in Prag aus, da viele Bewohner und Architekten befürchteten, es würde das historische Stadtbild stören. Heute gilt die Konstruktion als Wahrzeichen des demokratischen Aufbruchs nach 1989 und als Symbol für die Öffnung Tschechiens gegenüber zeitgenössischer internationaler Architektur.
Das Gebäude steht an der Adresse Jiráskovo náměstí 1981/6 und beherbergt Büroräume, ein Hotel mit Luxussuiten sowie ein Restaurant im siebten Stock mit Aussichtsterrasse. Die Straßenbahnlinien 14 und 17 halten in unmittelbarer Nähe an der Haltestelle Jiráskovo náměstí. Der öffentliche Zugang beschränkt sich auf das Restaurant und die Galerie im Erdgeschoss, während die Bürobereiche für Besucher nicht zugänglich sind. Eine Reservierung für das Dachrestaurant empfiehlt sich besonders am Abend.
Die Konstruktion besteht aus 99 unterschiedlich geformten Betonpaneelen, von denen jedes eine individuelle Form aufweist, um die charakteristische dynamische Bewegungserscheinung zu erzeugen. Diese technische Meisterleistung erforderte präzise Berechnungen und Fertigungstechniken, da kein Panel dem anderen gleicht. Die Ingenieure mussten spezielle Vorrichtungen entwickeln, um die unregelmäßigen Formen während der Installation zu stabilisieren und die strukturelle Integrität des gesamten Gebäudes zu gewährleisten.
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