Stadt- und Pfarrkirche St. Marien, Gotische Kirche in Lutherstadt Wittenberg, Deutschland.
Die Stadtkirche Wittenberg ist eine gotische Kirche aus hellem Stein mit zwei Türmen, die jeweils von einer dunklen achteckigen Haube mit Laterne und kleiner Spitze bekrönt werden; der linke Turm trägt ein schwarzes Zifferblatt mit goldenen römischen Ziffern. Zwischen den Türmen spannt sich über einem niedrigeren Mittelteil eine zurückgesetzte Bogenöffnung über die ganze Breite, und ein steiles Dach aus rotbraunen Ziegeln fällt nach rechts ab. Das Langhaus ist eine dreischiffige Halle.
1187 erstmals als Pfarrkirche urkundlich erwähnt, war St. Marien ursprünglich eine Holzkirche; um 1280 entstand der heutige Altarraum, zwischen 1412 und 1439 wurde das Langhaus durch die dreischiffige Halle ersetzt und die Türme errichtet, zunächst mit steinernen Pyramiden. 1547 entfernte man diese für Kanonenplattformen, 1556 folgten achteckige Hauben, eine Uhr und eine Türmerwohnung. 1811 gestaltete Carlo Ignazio Pozzi den Innenraum neugotisch um; Erneuerungen schlossen sich 1928, 1980/83 und 2010–2015 an.
Der 1547 vollendete Reformationsaltar wurde von Lucas Cranach d. Ä. konzipiert, der den Großteil der Schauseite malte; sein Sohn vollendete sie und malte die Rückseitentafeln. Die Mitteltafel zeigt das Letzte Abendmahl mit Luther als „Junker Jörg“, die Predella Luther predigend. An der südlichen Außenwand befindet sich eine Judensau-Darstellung von 1305, unter der seit 1988 eine Gedenkplatte von Wieland Schmiedel liegt.
Die Kirche liegt in der Altstadt von Lutherstadt Wittenberg, wenige Schritte vom Marktplatz und der Schlosskirche entfernt, die seit 1996 gemeinsam auf der UNESCO-Welterbeliste stehen. Die Südwand mit dem mittelalterlichen Relief und der 1988 eingelassenen Gedenkplatte ist von der Straße aus jederzeit zu sehen. Die Türme waren während der Sanierung eingerüstet und wurden im Sommer 2015 fertiggestellt.
An der südlichen Außenwand ist ein Steinrelief von um 1305 erhalten, eine „Judensau“, die einen Rabbiner unter dem Schwanz einer Sau zeigt, während andere an ihren Zitzen saugen; die Inschrift lautet „Rabini Shem hamphoras“. Luther bezog sich 1543 in seiner Schrift Vom Schem Hamphoras darauf. 1988 wurde darunter eine Gedenkplatte eingelassen; 2019 und 2022 bestätigten Gerichte, dass das Relief als Teil dieser Erinnerungskultur bleiben darf.
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