Nikolaikirche, Kirchengebäude in Jüterbog, Deutschland.
Sankt Nikolai ist eine backsteingotische Hallenkirche von 71 Metern Länge und 23 Metern Breite, der größte Sakralbau der Region um Jüterbog. Das dreischiffige Langhaus mit fünf Jochen und Chor besteht überwiegend aus rotem Backstein mit Feldsteinpartien, die beiden Westtürme aus Feldstein mit Sandsteinelementen. Sie unterscheiden sich: Der Nordturm trägt ein Renaissance-Oktogon mit 1617 vollendeter Haube, der Südturm einen steinernen Spitzhelm.
St. Nikolai wurde 1307 erstmals erwähnt und wahrscheinlich 1488 geweiht, worauf eine Inschrift in der Ratsloge hinweist. Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Langhaus um ein Joch erweitert, Anfang des 15. Jahrhunderts folgte der Südanbau. Die beiden Feldsteintürme entstanden getrennt und waren um 1500 fertig; die Renaissance-Haube des Nordturms wurde 1617 vollendet. Renovierungen fanden 1821–1824, 1877 und 1934–1936 statt.
Schutzpatron ist Nikolaus von Myra, dessen fast lebensgroße Statue über dem gotischen Sandsteinportal zwischen den Türmen steht. Eine Gedenktafel erinnert an Thomas Müntzer, der hier zu Ostern 1519 predigte; seine radikalen Ideen stießen bald bei der katholischen Kirche wie bei Luther auf Widerspruch. In einer Kapelle steht ein seltener Ablasskasten, der mit Johann Tetzel verbunden ist.
Die Kirche liegt zwischen Nikolaikirchstraße und Großer Straße und überragt die Altstadt von Jüterbog. Ein Aufgang über 217 Stufen führt zur Aussichtsplattform des Südturms auf der Höhe der Bogenbrücke, welche Nord- und Südturm miteinander verbindet. Die Kirche ist heute eine offene Kirche.
Das kleine Positiv von 1657, von Christoph Werner mit fünf Stimmen gebaut, ist die älteste erhaltene Orgel Brandenburgs. Im Nordturm wohnte früher ein Türmer; nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Junge Gemeinde die Türmerwohnung, seit der Sanierung in den 1960er Jahren steht sie leer.
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