Mennonitenkirche Leer, Klassizistische Kirche in Leer, Deutschland
Die Mennonitenkirche Leer ist ein neoklassizistisches Gotteshaus mit klaren Linien, symmetrischem Aufbau und hohen Bogenfenstern an den Wanden. Das Innere folgt dem Predigtkirchen-Prinzip der Mennoniten mit einem zentralen Predigtstuhl, umgeben von weiß lackierten Holzbanken.
Die Mennonitengemeinde Leer wurde um 1540 von niederländischen Glaubensflüchtlingen gegründet. Die ostfriesischen Grafen stellten ihnen Schutzbriefe aus, und die Mitglieder arbeiteten vor allem in Weberei und Handel, wodurch Leer zu einem Zentrum der Leinenproduktion wurde. Eine zweite flämische Gemeinde entstand um 1644 und besaß eine eigene Kirche, die nach der Vereinigung beider Gemeinden 1767 abgerissen wurde. Die heutige Kirche wurde 1825 erbaut; zuvor fanden Gottesdienste in gemieteten Räumen statt, bis 1728 von Laienpredigern gehalten.
Die Gemeinde sprach in ihren Gottesdiensten bis ins frühe 20. Jahrhundert Niederländisch, was ihre enge Verbindung zur Heimat ihrer Vorfahren widerspiegelt. Diese Sprachentradition prägte das religiöse Leben der Mennoniten in Leer über viele Generationen hinweg.
Die Kirche liegt im Zentrum von Leer, wenige Schritte von der Altstadt entfernt. Der Zugang führt über das klassizistische Westportal mit Dreiecksgiebel; der Innenraum ist ein einziger Saal, sodass Kanzel und die beiden weiß lackierten Kastengestühle auf einen Blick zu sehen sind. Das Gebäude ist ein Baudenkmal in Niedersachsen.
Die Orgel wurde 1860 von Brond de Grave Winter gebaut, der vermutlich das vorhandene Gehäuse der Vorgängerorgel von Wilhelm Eilert Schmid (1825/1826) umarbeitete. Acht ihrer zehn Register sind original; die niederländische Werkstatt Van der Putten restaurierte das Instrument 2013/2014 und weihte es am 28. September 2014 wieder ein.
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