Villenkolonie Lichterfelde, Architektonisches Wohnensemble in Lichterfelde West, Berlin, Deutschland.
Die ab 1865 vom Hamburger Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn geplante Villenkolonie Lichterfelde zählt zu den ältesten Villenvierteln Berlins. Die Straßen folgen Carstenns geometrischem Plan aus Achsen und kleinen Plätzen und sind von freistehenden Villen in historistischen Stilen gesäumt: neogotische und fachwerkorientierte Formen dominieren, dazu einige Bauten der Neo-Renaissance und des Jugendstils. Typisch sind das Hochparterre (Beletage), das Kutscherhaus im Hof und Türmchen an Villen an Plätzen und Kreuzungen.
Johann Anton Wilhelm von Carstenn kaufte 1865 die hochverschuldeten Rittergüter Lichterfelde und Giesensdorf und plante eine der ersten Villenkolonien im Deutschen Reich. Die Eröffnung des Bahnhofs Lichterfelde an der Anhalter Bahn 1868 und das Schiller-Gymnasium von 1884 förderten die Entwicklung. Das Rathaus entstand 1892 bis 1894. Nach 1918 wurde die Kolonie wegen ihrer wohlhabenden Kriegswitwen „Witwenfelde“ genannt; nach 1945 wurden große Villen in Wohnungen aufgeteilt.
Carstenn benannte seine Kolonie nach den Rittergütern Lichterfelde und Giesensdorf, die er 1865 erwarb, und pries sie in Werbebroschüren als „einen der schönsten Villenorte im Deutschen Reich“. Das um die Drakestraße geplante Einkaufsviertel bepflanzte er mit importierten tropischen und subtropischen Gehölzen aus den jungen Überseekolonien, die dem Berliner Klima nicht standhielten. Nach 1945 wurden viele Villen in Wohnungen aufgeteilt.
Das Viertel ist am besten zu Fuß zu erkunden, wobei die Baumreihen entlang der Kopfsteinpflasterstraßen einen angenehmen Spaziergang ermöglichen. Die S-Bahn-Linie S1 hält am Bahnhof Lichterfelde West und bietet Verbindungen zum Zentrum Berlins.
Die Drakestraße wurde aus Begeisterung für alles Exotische mit eigens importierten tropischen und subtropischen Bäumen aus den jungen deutschen Überseekolonien bepflanzt; dem Berliner Klima hielten sie nicht lange stand. Carstenn pries seine Kolonie in Werbebroschüren als „einen der schönsten Villenorte im Deutschen Reich“.
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