Belvedere di San Leucio, Königspalast in San Leucio, Caserta, Italien.
Der Belvedere di San Leucio ist ein cremefarbener Palast mit einem dreistöckigen Mittelbau und zwei Seitenflügeln, die einen gepflasterten Hof umschließen. Die Fassade zeigt eine weiße Doppeltür, ein bogenförmiges Balkonfenster mit einer dunklen Statue und Reihen rechteckiger Fenster unter Walmdächern aus Ziegeln. Zum Komplex gehören auch die Seidenmanufaktur, Arbeiterwohnungen und italienische Gärten auf Terrassen.
Karl von Bourbon schickte auf Rat des Ministers Bernardo Tanucci junge Leute nach Frankreich, um die Seidenweberei zu erlernen. 1778 entwarf der Architekt Francesco Collecini die Real Colonia di San Leucio, die 1789 durch ein von Ferdinand IV. unterzeichnetes Statut geregelt wurde. Die geplante kreisförmige Stadt Ferdinandopoli wurde durch die Revolution von 1799 gestoppt; nach der italienischen Einigung fiel der Ort an den Staat.
Der Name San Leucio stammt von einer kleinen Kirche, die dem heiligen Luzius geweiht ist; die hier gewebte Seide stattete das Weiße Haus, Buckingham Palace und den Quirinalspalast aus. Im Speisesaal malte Fedele Fischetti Allegorien von Bacchus und Ariadne, das Bad zeigt Enkaustikzeichnungen von Jacob Philipp Hackert. Jeden Juni und Juli findet im Teatro Serici das Leuciana-Festival statt.
Der Zugang zur monumentalen Anlage führt durch ein Tor unter einem Bogen mit dem von zwei Löwen gehaltenen Königswappen. Rechts und links stehen die Arbeitersiedlungen San Carlo und San Ferdinando mit siebenunddreißig Wohnungen, die über eine doppelte Treppe um die königlichen Ställe mit dem Palast verbunden sind. Die italienischen Gärten liegen im Westen auf verschiedenen Ebenen und sind durch Treppen verbunden.
Ferdinand IV. plante, die Kolonie zu einer kreisförmigen neuen Stadt namens Ferdinandopoli mit radialen Straßen und zentralem Platz zu erweitern; die Arbeiten endeten nach der Revolution von 1799 und der Parthenopäischen Republik. Der Kodex von 1789, in 150 Exemplaren von der Königlichen Druckerei gedruckt, hob das Privateigentum auf und richtete eine gemeinsame Armenkasse ein.
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