Kapuzinergruft, Katakomben und ethnographisches Museum in Palermo, Italien.
Diese unterirdische Begräbnisstätte erstreckt sich über 300 Quadratmeter unter einem Kapuzinerkloster und beherbergt etwa 2.000 mumifizierte Leichname und Skelette. Die Verstorbenen sind in verschiedenen Gängen nach Geschlecht, Berufsstand und sozialem Status angeordnet. Viele tragen noch die ursprüngliche Kleidung aus dem Zeitraum ihrer Beisetzung. Die Räumlichkeiten umfassen separate Bereiche für Geistliche, Jungfrauen, Kinder, Berufstätige und Adelige.
Die Kapuziner richteten 1599 die ersten Grabkammern ein, nachdem die ursprüngliche Klostergruft überfüllt war. Zunächst nahm man nur verstorbene Ordensmitglieder auf. Ab 1783 erlaubten die Mönche wohlhabenden Palermitanern die Beisetzung ihrer Angehörigen gegen entsprechende Spenden. Die letzte Bestattung erfolgte 1920, wobei einzelne Nachbestattungen bis in die 1970er Jahre dokumentiert sind. Die Anlage wurde mehrmals erweitert, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.
Die lokale Bevölkerung betrachtete die Aufbewahrung der Verstorbenen in Nischen als Zeichen des sozialen Status und der familiären Hingabe. Angehörige besuchten regelmäßig die Überreste ihrer Verwandten, wechselten deren Kleidung und pflegten die Erinnerung durch Gebete. Diese Praktiken zeigten die tiefe Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten in der sizilianischen Gesellschaft. Die Beisetzung in den Katakomben galt als Privileg, das wohlhabenden Bürgern, Geistlichen und Adligen vorbehalten war.
Der Zugang erfolgt täglich von 9:00 bis 12:00 Uhr und von 15:00 bis 17:30 Uhr, wobei alle Bereiche barrierefrei zugänglich sind. Die Einrichtung liegt etwa 2 Kilometer vom historischen Stadtzentrum entfernt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß erreichbar. Fotografieren ist innerhalb der Anlage nicht gestattet. In der Nähe befinden sich mehrere Cafés und Restaurants. Der Besuch dauert in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten.
Das zweijährige Mädchen Rosalia Lombardo, das 1920 starb, gilt als eine der am besten erhaltenen Mumien weltweit. Professor Alfredo Salafia entwickelte für ihre Konservierung eine spezielle Methode mit Formalin, Alkohol, Glycerin und Zinksalzen, deren genaue Formel erst 2009 wiederentdeckt wurde. Die Technik unterscheidet sich grundlegend von den natürlichen Trocknungsmethoden, die bei den meisten anderen Körpern zur Anwendung kamen.
Die Community neugieriger Reisender
AroundUs vereint tausende ausgewählte Orte, lokale Tipps und versteckte Schätze, täglich bereichert von über 60,000 Mitwirkenden weltweit.