Beguinenhaus, Mittelalterliche Kapelle in Havelberg, Deutschland
Das Beguinenhaus ist ein rechteckiger Backsteinbau in Havelberg mit einem steilen, rot gedeckten Walmdach. Die Längsseite hat hohe spitzbogige Blenden mit grün gerahmten Fenstern und einer kleinen bogigen Tür; über dem Eingang zeigt ein Sandsteinrelief die Verspottung und Kreuzigung Christi.
1397 (oder 1390) stifteten Thidericus Kremer und seine Frau Elysabeth den Altar St. Spiritus und St. Andreas für die neu errichtete Hospitalkapelle; dies ist die einzige erhaltene Nachricht über ihre Gründung. Das Hospital nahm Kranke und wahrscheinlich auch Arme und Reisende auf. Im 16. Jahrhundert oder später wurde die Kapelle profaniert und zu einem zweistöckigen Wohnhaus umgebaut; 1841 bewohnten vier Witwen sechs kleine Zimmer im Obergeschoss. 1952 zogen die letzten Bewohnerinnen aus.
Der Name Beguinenhaus erinnert an die Beginen, Frauen, die ohne förmliche Gelübde in Gemeinschaft lebten. Die Quellen belegen nicht, dass Beginen das Hospital betrieben, doch eine spätere Überlieferung verbindet das Gebäude mit den Bewohnerinnen des Alten Dom-Beguinenhauses. Ab 1841 bewohnten vier Bürgerwitwen kleine Zimmer im Obergeschoss, zwei weitere dienten als Gästezimmer.
Das Gebäude steht am Südrand der Havelberger Stadtinsel an der gepflasterten Straße, die im Mittelalter unmittelbar vor dem Sandauer Tor und der Stadtmauer verlief. Es ist in Privatbesitz; die Backsteinfassade mit den spitzbogigen Blenden und das Sandsteinrelief über dem Eingang sind daher von der Straße aus zu sehen.
Über dem Eingangsportal befindet sich ein Sandsteinrelief aus der Erbauungszeit mit der Darstellung der Verspottung und Kreuzigung Christi. Es ist die einzige erhaltene mittelalterliche Bildhauerarbeit am Bau; von der Innenausstattung ist nichts überliefert.
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