Jonestown, Religiöse Siedlung in Port Kaituma, Guyana.
Das Projekt des Peoples Temple erstreckte sich über 1.540 Hektar Dschungel im Nordwesten Guyanas nahe der venezolanischen Grenze, erreichbar über unbefestigte Straßen von Port Kaituma. Über hundert einfache Holzgebäude und Baracken bildeten die Siedlung, darunter Wohnhäuser für Familien, eine Krankenstation, ein Schulgebäude und Vorratslager. Ein zentraler offener Pavillon mit Wellblechdach diente als Versammlungsort und dominierte den zentralen Bereich, umgeben von landwirtschaftlichen Feldern und Wegen durch dichtes tropisches Grün.
Jim Jones gründete 1974 die Siedlung als abgelegene landwirtschaftliche Kolonie für Anhänger seines Peoples Temple und verlegte ab 1977 hunderte Mitglieder aus Kalifornien nach Guyana. Am 18. November 1978 starben über neunhundert Bewohner durch Zwangsvergiftung mit Cyanid nach dem Besuch von Kongressabgeordnetem Leo Ryan, der zuvor auf dem Flugplatz von Port Kaituma erschossen worden war. Die guyanische Regierung räumte das Gelände anschließend, und die verlassenen Gebäude verfielen im Laufe der Jahrzehnte im Dschungel.
Die Gemeinde betrieb landwirtschaftliche Programme zur Selbstversorgung mit Maniok, Bananen und Gemüse, wobei Kinder auf Englisch und Russisch unterrichtet wurden. Das Leben folgte einem organisierten Tagesablauf mit Feldarbeit, Mahlzeiten in gemeinschaftlichen Speisesälen und abendlichen Versammlungen, bei denen Jones über Lautsprecher sprach. Die Bewohner hatten keinen Zugang zu Außenkontakten, da die Führung alle Kommunikationswege kontrollierte und die Isolation als Schutz vor vermeintlichen Feinden darstellte.
Das Gelände liegt etwa 10 Kilometer südwestlich von Port Kaituma im Dschungel und ist nur über unbefestigte Wege mit Geländefahrzeugen während der Trockenzeit zwischen September und November erreichbar. Die guyanischen Behörden haben die verfallenen Überreste nicht für Besucher präpariert, und örtliche Guides raten aufgrund schwieriger Zugangsbedingungen, dichter Vegetation und fehlender Infrastruktur von Besuchen ab. Wer die Region erkunden möchte, sollte über Port Kaituma anreisen und dort nach autorisierten Führungen fragen.
Die Bewohner trugen während der Arbeit einheitliche Kleidung und lebten ohne persönlichen Besitz oder Privatsphäre, da Jones alle Entscheidungen traf und Briefkontakte nach außen zensierte. Eine Krankenschwester namens Hyacinth Thrash überlebte die Massenvergiftung, weil sie an jenem Abend schlief und nichts von den Ereignissen auf dem zentralen Platz mitbekam. Nach der Tragödie erwarb die guyanische Regierung das verlassene Land, doch niemand nutzte es seitdem, und die Natur hat die Spuren menschlicher Besiedlung weitgehend überwuchert.
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