Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur, Kriegsdenkmal an der Zitadelle Petersberg, Deutschland
Das Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur steht im Festungsgraben der Zitadelle Petersberg, dem Andreasviertel zugewandt. Seine acht Metallstelen aus verschrotteten Heizkesseln bilden eine enge Gasse; sieben stehen starr in Reih und Glied, die achte ist verbogen, wendet sich ab und hält den Kopf schief, als wolle sie aus der Reihe treten. Eine Bronzetafel am Boden trägt die Widmung und ein Zitat von Günter Eich: „Seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt.“
Während des Zweiten Weltkriegs war die Petersburg-Zitadel Sitz eines Militärgerichts der Wehrmacht, das zahlreiche Soldaten wegen Desertion zum Tode verurteilte. Das Denkmal wurde 1995 errichtet, um diese Hinrichtungen und den Widerstand dieser Soldaten zu würdigen.
Die in den Boden eingelassene Bronzetafel trägt die Inschrift „Dem unbekannten Wehrmachtsdeserteur“ und einen Vers aus Günter Eichs Gedicht Träume: „Seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt“. Der Bildhauer Thomas Nicolai betonte mehrfach, er wolle den Deserteur nicht zum Helden und die Soldaten, die dabeiblieben, nicht zu Verlierern machen.
Das Denkmal ist kostenlos zugänglich und liegt im Burggraben zwischen den Bastionen Leonhard und Philipp der Petersburg-Zitadel. Der Ort lässt sich leicht zu Fuß erreichen und ermöglicht Besuchern, die gesamte Festungsanlage in einen Besuch einzubeziehen.
Thomas Nicolai fertigte die acht Stelen aus Schrott, genauer aus alten Heizkesseln, weil er ein Material mit Gebrauchsspuren wollte. Der Stahl als Medium des Krieges erinnert an die Materialschlachten des Zweiten Weltkriegs. Die enge Gassenanordnung ruft das Spießrutenlaufen wach, und die aus dem Material entstehenden Spitzen der Basis verstärken die Beklemmung.
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