Fundplatz Salzgitter-Lebenstedt, Archäologische Fundstelle in Salzgitter, Deutschland.
Der Fundplatz Salzgitter-Lebenstedt ist eine mittelpaläolithische Freilandstation am Südrand der nordeuropäischen Tiefebene, knapp 82 m über dem Meeresspiegel. Die Grabungen von 1952 und 1977 erbrachten rund 840 Feuersteinartefakte sowie Knochen von mindestens 16 Mammuts und 86 Rentieren in Sedimenten zwischen 4,5 und 5,5 m Tiefe.
Die Fundstelle wurde beim Bau einer Kläranlage entdeckt: Im Dezember 1951 brachte ein Truppführer Knochen mit, und ein Biologielehrer erkannte ihr Alter. Alfred Tode grub 1952 rund 150 m² aus, 1977 folgte eine zweite Grabung auf etwa 220 m². Radiokohlenstoffdatierungen der 1990er Jahre ergaben ein Mindestalter von 50.000 Jahren; heute wird die Stätte auf 58.000 bis 54.000 Jahre datiert.
Der Platz zeigt, dass die Jäger auf Rentiere spezialisiert waren: mindestens 86 Tiere, meist erwachsene im Alter von acht bis neun Jahren. Da die Rentiere im Mai oder Juni kalbten, lag die Jagd zwischen August und Oktober. Etwa 30 Knochenwerkzeuge entstanden aus Mammutrippen und Wadenbeinen, darunter eine seltene Knochenspitze.
Die Fundstelle wurde beim Bau einer Kläranlage entdeckt; die Grabungsfläche ist kein Besucherort mit festen Öffnungszeiten. Die Funde, darunter die Levallois-Abschläge aus Flint, liegen in Museumssammlungen und sind nicht am Ort ausgestellt. Vor einer Anfahrt sollte man sich lokal erkundigen.
Die beiden Schädelfragmente, als Fossil Lebenstedt 1 katalogisiert, galten zeitweise als die nördlichsten je gefundenen Neandertalerreste. Entdeckt wurden sie, weil ein Truppführer der Kläranlagen-Baustelle Knochen mit nach Hause brachte; seine Tochter nahm Stücke mit in die Schule, wo ihr Biologielehrer das hohe Alter erkannte.
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