Haus Steinfunder, Herrenhaus im Stadtteil Schmalbroich von Kempen, Deutschland.
Haus Steinfunder ist eine zweiteilige Anlage aus einem Herrenhaus auf einer grabenumwehrten Insel und einer nordöstlich gelegenen Vorburg. Das Herrenhaus hat einen winkelförmigen Grundriss: Der ältere Nordwestteil ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Satteldach und Staffelgiebeln aus Backstein, der südliche Barockanbau von 1691 ein quadratischer Bau mit mehrfach abgeknicktem Pyramidendach und turmähnlichem Dachreiter.
Das Gut wurde um 1360 als „Gut op den Steinvondern“ im Besitz eines Wilhelm von Hüls erstmals urkundlich erwähnt; damals gehörten etwa 100 Morgen Land dazu. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war es Eigentum von Theoderich van der Part und Anna van Neerhave. 1672 verkaufte Gebhard van der Part seinen Anteil an Christian Hoff, den kurkölnischen Kellner und Amtmann von Kempen und Oedt, der zwei Jahre später auch die andere Hälfte erwarb. 1682 erhielt die Anlage den Status eines Adelssitzes mit Steuerbefreiung; 1729 veräußerte Johanna Catharina Hoff den Besitz an Johann Hermann Josef Sybenius.
Die Nordostfassade des Herrenhauses trägt drei Kopfskulpturen der niederrheinischen Renaissance des späten 16. Jahrhunderts, eine davon als Medaillon; zwei stellen das damalige Besitzerehepaar dar. Ein in den 1990er Jahren erneuertes Steinrelief zeigt das Allianzwappen Theoderich van der Parts und Anna van Neerhaves mit der Inschrift von 1566. Ähnliche Medaillons finden sich an Haus Zelem und Schloss Rheydt.
Das Haus ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden; möglich ist nur der Blick von der Straße. Die Gebäude der Vorburg nordöstlich der grabenumwehrten Insel sind modernen Datums und werden landwirtschaftlich genutzt, die Flächen sind also Betriebsland und kein Park. Die Anlage liegt am östlichen Rand der breiten Niersniederung im Kempener Stadtteil Schmalbroich.
Der Name des Hauses leitet sich von einer steinernen Brücke (Fondern) ab. Der Südbau von 1691 – eine Inschrift auf einem Eckstein nennt A 1691 J B H, auf einem Dachbalken steht rot gemalt 1693 – imitiert mit zwei polygonalen Eckwarten mittelalterliche Architektur, doch verraten seine dünneren Mauern die spätere Entstehung.
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