Martinskapelle, Romanische Kapelle im Stadtteil Plossen, Meißen, Deutschland
Die Martinskapelle ist eine verputzte Bruchstein-Saalkirche aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, die inmitten eines Friedhofs auf einem Bergsporn über der Mündung der Triebisch in die Elbe liegt. Sie besteht aus einem Saal, einem eingezogenen Chor und einer fensterlosen halbrunden Apsis, wird im Westen von zwei Strebepfeilern gestützt und schließt mit einem Satteldach mit Dachreiter und einem Treppengiebel im Osten.
Der romanische Kern der Kapelle stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Nach Schäden in den Hussitenkriegen wurde sie 1437 wiederhergestellt. 1683 wurde das Innere mit Decken, Emporen und Gestühl gänzlich erneuert. 1885 kam ein Anbau im Westen hinzu, der Südanbau wurde verändert und ein neuer Dachreiter errichtet; Reparaturen 1981 legten an der Westwand eine zweibogige Arkade frei.
Der um 1500 geschnitzte Flügelaltar stammte aus der Kirche von Weinböhla und wurde in die St.-Afra-Kirche übertragen, wo er besichtigt werden kann; seine Predella zeigt das von zwei Engeln gehaltene Schweißtuch der Veronika. Die Kanzel von 1516 steht auf einem ehemaligen Seitenaltar, ihre Brüstung zeigt einen Schädel mit aus den Augen tretenden Schlangen über einem Sarg und der Inschrift INRI/1516. Eine wohl romanische Relieftafel am Triumphbogen stellt zwei Krückstöcke mit kreuzverzierten Taschen dar – daher der volkstümliche Name „Bettelmannskirche“.
Die Kapelle befindet sich auf einem Hügel in der Nähe der Altstadt und ist über einen Weg von Norden erreichbar. Besucher sollten mit Steigungen rechnen und festes Schuhwerk mitbringen, da der Zugang über unebenes Gelände führt.
An der Nordwand bleiben ursprüngliche romanische Fenster erhalten, die seltene Hinweise auf die Architektur des 12. Jahrhunderts geben. 1981 entdeckte Arkaden deuten auf einen früheren Westturm hin, dessen Geschichte bisher ungeklärt bleibt.
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