Oratorio della Grotta, Renaissance-Oratorium in Urbino, Italien
Das Oratorio della Grotta, auch Grotte del Duomo genannt, liegt unter dem Dom von Urbino: Vier zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert errichtete Kapellen öffnen sich zu einem langen Gang, den man über 46 Stufen von der Loggia del Grano erreicht. Die Hauptkapelle, nach dem Erdbeben von 1789 von Giuseppe Valadier in neoklassizistischen Formen erneuert, hat ein Tonnengewölbe mit Stuckreliefs der Leidenswerkzeuge und fünf Leuchter aus Muranoglas.
Die unterirdischen Räume entstanden in den 1480er-Jahren beim Bau der Kathedrale, um den Hohlraum zwischen ihrer Apsis und dem Hang zu füllen; die ersten zwei dienten als Lager der Ställe des benachbarten Palazzo Ducale. Anfang des 16. Jahrhunderts überließ Herzog Guidobaldo I. da Montefeltro der von Pater Girolamo Recalchi aus Verona gegründeten Bruderschaft, der Compagnia dell'Humiltà, die ersten zwei Räume und Bischof Gabrielli den dritten; sie richtete sie als drei Kapellen ein und fand dabei ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, das als wundertätig galt. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Eingang an die heutige Stelle unter der Loggia del Grano verlegt, und 1655 wurde die Bruderschaft der Arciconfraternita del Santissimo Crocifisso di San Marcello in Rom angeschlossen.
Die hier versammelte Bruderschaft führte am Abend des Karfreitags Szenen der Passion sowie des Alten und Neuen Testaments auf. Ihren Namen erhielt sie von einem für wundertätig gehaltenen Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, das bei den Arbeiten an den Kapellen gefunden wurde. 1636 gewährte Urban VIII. der Gemeinschaft das Recht, jeden Gründonnerstag einen zum Tode Verurteilten freizulassen, abwechselnd mit der Bruderschaft San Giuseppe.
Der Zugang erfolgt über die Loggia del Grano, nicht über das Domportal; sechsundvierzig Stufen führen hinab zu einem Gang, an dem die vier Kapellen und der Giro del Perdono liegen. Das Oratorium ist öffentlich zugänglich und gehört zum Museo diocesano Albani.
Im Zweiten Weltkrieg barg das Oratorium Werke aus dem Schatz des Markusdoms in Venedig, darunter die Pala d'Oro, um sie vor Bomben und deutschen Plünderungen zu schützen. Der heutige Eingang liegt unter der Loggia del Grano, deren eine Joch beim Verlegen des Portals Mitte des 16. Jahrhunderts zugemauert wurde.
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