Krönungsevangeliar, Mittelalterliches Manuskript in der Kaiserlichen Schatzkammer, Wien, Österreich.
Die Wiener Krönungsevangelien sind ein mittelalterliches Evangelienbuch, dessen Seiten mit karmesinfarbenem Purpur gefärbt und mit Gold- und Silbertinte beschriftet wurden. Das Buch misst 34,5 cm in der Höhe und 26 cm in der Breite und vereint kunstvolle Evangelistenporträts mit dem Evangelientext auf Pergament.
Das Buch entstand wahrscheinlich im frühen 9. Jahrhundert in einem kaiserlichen Skriptorium unter karolingischer Herrschaft. Es gewann an Bedeutung durch seine enge Verbindung mit europäischen Krönungszeremonien und wurde Teil der Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches.
Die vier Evangelistenporträts zu Beginn jedes Evangeliums zeigen Figuren in einem Stil, der deutlich von byzantinischer Kunst geprägt wurde. Diese Mischung aus westlicher und östlicher Bildtradition macht das Buch zu einem seltenen Zeugnis des kulturellen Austauschs im frühen Mittelalter.
Das Manuskript wird im Kaiserlichen Schatz in der Wiener Hofburg aufbewahrt, wo strenge Bedingungen zum Schutz der empfindlichen Materialien herrschen. Wer das Buch sehen möchte, sollte sich vorab über die aktuellen Öffnungszeiten und mögliche Ausstellungsbedingungen informieren, da historische Dokumente dieses Alters besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordern.
Eine bekannte Überlieferung besagt, dass Kaiser Otto III. im Jahr 1000 das Grab Karls des Großen öffnen ließ und das Buch auf den Knien der Leiche des Kaisers vorfand. Diese Entdeckung, ob wahr oder ausgeschmückt, trug dazu bei, dem Manuskript einen fast legendären Ruf zu verleihen, der seine Rolle bei späteren Krönungsritualen noch verstärkte.
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