St.-Quintins-Kapelle, Romanische Kirche in Essen, Deutschland
St. Quintins-Kapelle war ein romanisches Kirchengebäude mit rechteckigem Grundriss und einem erweiterten Chor, das vor seiner Abrissarbeit 1823 durch Zeichnungen dokumentiert wurde. Das Gebäude stand im nordwestlichen Teil der Stadt in unmittelbarer Nähe zu anderen religiösen Strukturen der mittelalterlichen Siedlung.
Wann die Kapelle errichtet wurde, ist unbekannt; die Annahme, Altfrid habe sie um 835 gegründet und Quintinsreliquien erworben, gilt heute als zweifelhaft, da er in der Miracula s. quintini nicht genannt wird. Die erste sichere Erwähnung ist das Testament der Äbtissin Theophanu um 1050, die Kerzen ad sanctum Quintinum brennen ließ; sie könnte die Stifterin sein. Die Consuetudines des 13. Jahrhunderts regeln ihre Nutzung; um 1823 wurde sie abgebrochen.
Die Kapelle hieß im Essener Volksmund „Quintchen“. Sie lag zwischen der Stiftspforte und dem Atrium, wohin neu aufgenommene Stiftsdamen geführt wurden, um die Reliquien des Heiligen zu verehren und für Lebende und Verstorbene zu beten. Nach ihrem Tod wurden die Stiftsdamen in St. Quintin aufgebahrt, und das Totengedenken des Gesamtkonvents fand dort statt.
Der genaue Standort der ehemaligen Kapelle ist heute durch eine Gedenktafel an einem modernen Geschäftskomplex gekennzeichnet, die sich nördlich des Essener Münsters befindet. Eine Gasse mit dem Namen 'An St. Quintin' zwischen dem Bürogebäude und der Johanneskirche hilft Besuchern, die Geschichte des Ortes zu nachzuvollziehen.
Die umfangreichen Kirchenordnungen aus dem 13. Jahrhundert geben seltene Einblicke in die genaue Rolle der Kapelle im täglichen Klosterleben und zeigen, wie sie in die Rituale der Nonnen eingebunden war. Diese schriftlichen Aufzeichnungen sind wertvolle Zeugnisse über die Funktionalität solcher mittelalterlichen Sakralräume.
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