Steinbogenbrücken gehören zu den dauerhaftesten Bauwerken der Geschichte. Von den römischen Aquädukten Spaniens bis zu den mittelalterlichen Flussüberquerungen in Mitteleuropa zeigen diese Konstruktionen die Entwicklung der Ingenieurskunst über zwei Jahrtausende. Der Pont du Gard in Frankreich transportierte einst täglich 20.000 Kubikmeter Wasser über 50 Kilometer, während die Segovia-Aquädukt in Spanien ohne Mörtel gebaut wurde. In Asien verbinden Steinbrücken wie die Marco-Polo-Brücke in China seit Jahrhunderten Handelswege. Die Khaju-Brücke in Isfahan dient gleichzeitig als Damm und öffentlicher Versammlungsort. Diese Bauwerke erfüllten mehrere Funktionen: Transport, Wasserversorgung und soziale Treffpunkte. Viele dieser Brücken und Aquädukte werden noch heute genutzt. Sie dokumentieren verschiedene Bautechniken, von römischen Betongewölben bis zu persischen Ziegelbogenstrukturen. Die Konstruktionen überstanden Kriege, Erdbeben und Hochwasser und bleiben funktionale Elemente der modernen Infrastruktur.
Vers-Pont-du-Gard, Frankreich
Pont du GardDer Pont du Gard wurde im ersten Jahrhundert nach Christus erbaut und diente als Teil eines fünfzig Kilometer langen Aquädukts zur Wasserversorgung der römischen Stadt Nîmes. Das Bauwerk besteht aus drei übereinander angeordneten Arkadenreihen und erreicht eine Höhe von neunundvierzig Metern über dem Gardon. Die Konstruktion aus gelbem Kalkstein umfasst insgesamt zweiundfünfzig Bögen und wurde ohne Mörtel errichtet. Der oberste Kanal transportierte täglich etwa zwanzigtausend Kubikmeter Wasser.
Venedig, Italien
RialtobrückeDie Rialtobrücke überspannt seit 1591 den Canal Grande und verbindet die Stadtteile San Marco und San Polo. Antonio da Ponte entwarf diese Steinbrücke mit einem einzigen Bogen von 28 Metern Spannweite. Zwei parallele Ladenreihen säumen den zentralen Durchgang und bieten Platz für Geschäfte und Werkstätten. Die Konstruktion ruht auf 12.000 Holzpfählen, die in den Lagunenboden gerammt wurden. Dieser Übergang ersetzt frühere Holzbrücken, die mehrfach eingestürzt waren. Die Brücke dient als wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen den Handelsvierteln der Stadt.
Erfurt, Deutschland
KrämerbrückeDie Krämerbrücke erstreckt sich über die Gera und trägt seit dem 12. Jahrhundert Wohnhäuser und Geschäfte. Diese steinerne Bogenbrücke verbindet die Altstadt mit dem Benediktsplatz und beherbergt heute 32 Fachwerkhäuser aus verschiedenen Epochen. Handwerksbetriebe, Kunstgalerien und Läden nutzen die schmalen Gebäude entlang der 120 Meter langen Passage. Das Bauwerk überstand zahlreiche Brände und wurde mehrfach restauriert, wobei die heutige Struktur hauptsächlich aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammt.
Tournai, Belgien
Pont des TrousDie Pont des Trous ist ein mittelalterliches Wassertor aus dem 13. Jahrhundert, das über die Schelde führt. Das Bauwerk besteht aus zwei zylindrischen Türmen, die durch drei Steinbögen verbunden sind und Teil der ehemaligen Stadtbefestigung von Tournai waren. Die Türme dienten zur Kontrolle des Flussverkehrs und zur Verteidigung der Stadt. Das Monument wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert und gilt als wichtiges Zeugnis der militärischen Architektur des Mittelalters in Flandern.
Sanjiang, China
Chengyang-BrückeDer Chengyang-Brücke wurde 1912 erbaut und verbindet mehrere Dörfer der Dong-Minderheit entlang des Linxi-Flusses. Diese traditionelle Holzkonstruktion erstreckt sich über 64 Meter und besteht aus fünf Pavillons mit mehrstöckigen Dächern, die ohne einen einzigen Nagel errichtet wurden. Die Brücke dient sowohl als Überquerung als auch als Versammlungsort für die lokale Gemeinschaft und demonstriert die handwerklichen Fähigkeiten der Dong-Architektur.
Rom, Italien
Pons FabriciusDer Pons Fabricius verbindet seit 62 v. Chr. die Tiberinsel mit dem Marsfeld am westlichen Ufer des Tiber. Diese römische Brücke besteht aus zwei Steinbögen mit einer Gesamtlänge von 62 Metern und wird täglich von Fußgängern genutzt. Die Konstruktion trägt die Inschriften ihrer Erbauer und gilt als die älteste durchgehend genutzte Brücke Roms.
Mostar, Bosnien und Herzegowina
Stari MostDer Stari Most überspannt die Neretva mit einem einzigen Steinbogen von 28,7 Metern Spannweite. Das osmanische Bauwerk wurde 1566 von Mimar Hayruddin, einem Schüler von Sinan, fertiggestellt. Der Bogen erhebt sich 20 Meter über dem Fluss und verbindet die beiden Stadtviertel Mostars. Nach der Zerstörung im Jahr 1993 erfolgte zwischen 2001 und 2004 der Wiederaufbau unter Verwendung traditioneller Techniken und Originalmaterialien aus der Neretva. Die zwei Brückentürme, Halebija und Tara, sowie die historischen Wohnhäuser an beiden Ufern ergänzen das Ensemble. Seit 2005 zählt die Altstadt von Mostar mit dem Stari Most zum UNESCO-Welterbe.
Florenz, Italien
Ponte VecchioDie Ponte Vecchio überquert den Arno mit drei Segmentbögen und wurde 1345 nach einem Hochwasser wieder aufgebaut. Das Bauwerk trägt seit seiner Entstehung Geschäfte entlang der Brücke, heute hauptsächlich Juweliere und Goldschmiede. Der Vasari-Korridor von 1565 verläuft als geschlossener Gang über die Ostseite der Brücke und verbindet den Palazzo Vecchio mit dem Palazzo Pitti. Die Konstruktion besteht aus massiven Steinpfeilern, die dem Flussdruck standhalten, während die oberen Ebenen Holzstrukturen für die Läden beherbergen.
Prag, Tschechien
KarlsbrückeDie Karlsbrücke verbindet die Prager Altstadt mit der Kleinseite und erstreckt sich über 516 Meter Länge auf 16 Steinpfeilern. Diese Brücke wurde im 14. Jahrhundert unter König Karl IV. erbaut und diente über Jahrhunderte als wichtigste Verkehrsverbindung über die Moldau. Die Konstruktion besteht aus böhmischem Sandstein und trägt 30 Barockstatuen entlang ihrer Balustrade, die zwischen 1683 und 1928 hinzugefügt wurden. Die Brücke überspannt den Fluss mit einer Breite von etwa 10 Metern und bildete einen zentralen Bestandteil der Krönungsroute böhmischer Könige.
London, England
London BridgeDie London Bridge ist eine Betonkonstruktion aus dem Jahr 1973, die ihren mittelalterlichen Vorgänger ersetzte. Diese Straßenbrücke verbindet die City of London am Nordufer mit dem Stadtteil Southwark am Südufer der Themse. Der historische Standort wird seit der Römerzeit für Flussüberquerungen genutzt. Die aktuelle Brücke trägt sechs Verkehrsspuren und ermöglicht täglich den Durchgang von Tausenden von Pendlern und Fahrzeugen zwischen den beiden Ufern des Flusses.
Bobbio, Italien
Die BuckelbrückeDer Ponte Gobbo überspannt seit römischer Zeit die Trebbia mit seinen elf Bögen unterschiedlicher Größe. Diese mittelalterliche Brücke aus dem 7. Jahrhundert wurde mehrfach umgebaut und erweitert. Die unregelmäßigen Bögen folgen dem natürlichen Flussverlauf und den Felsformationen im Flussbett. Der Name bezieht sich auf das buckelige Profil der Brücke, das durch die verschiedenen Bogenhöhen entsteht. Die Konstruktion verbindet das historische Zentrum von Bobbio mit dem gegenüberliegenden Ufer und dient seit Jahrhunderten als wichtiger Übergang für Pilger und Reisende.
Iwakuni, Japan
KintaibrückeDie Kintai-Brücke überspannt den Fluss Nishiki mit fünf aufeinanderfolgenden Holzbögen, die eine Gesamtlänge von 193 Metern erreichen. Diese Konstruktion aus dem Jahr 1673 verwendet traditionelle japanische Zimmermannsverbindungen ohne einen einzigen Nagel und ruht auf Steinpfeilern, die den Flutbedingungen standhalten. Jeder Bogen erhebt sich in einer anderen Höhe und erzeugt eine wellenförmige Silhouette über dem Wasser. Die Brücke verbindet die Burgstadt mit dem Wohnviertel der Samurai und dient seit über drei Jahrhunderten als wichtiger Übergang. Regelmäßige Restaurierungen bewahren die ursprünglichen Bautechniken und verwenden Holz aus der Region.
Savignano sul Rubicone, Italien
RubikonbrückeDieser Steinbogenbau aus dem zweiten Jahrhundert überspannt den historischen Grenzfluss zwischen der Römischen Republik und der Gallia Cisalpina. Das Bauwerk markiert die Stelle, an der Julius Caesar im Jahr 49 v. Chr. mit seinen Legionen den Rubikon überquerte und damit den Bürgerkrieg auslöste. Der Bogen zeigt römische Ingenieurskunst mit seiner gewölbten Konstruktion und den massiven Steinquadern, die ohne Mörtel zusammengefügt wurden.
Isfahan, Iran
Chadschu-BrückeDie Khaju-Brücke wurde 1650 unter der Herrschaft von Schah Abbas II. über den Zayandeh-Fluss errichtet. Das zweistöckige Bauwerk aus Stein und Ziegeln erstreckt sich über 133 Meter Länge und verfügt über 23 Bögen. Die Brücke dient gleichzeitig als Damm zur Regulierung des Wasserstands, als Verkehrsweg und als gesellschaftlicher Treffpunkt. In den Nischen und Pavillons der unteren Ebene versammeln sich Einwohner und Besucher. Die Dekorationen umfassen Fliesen und Wandmalereien aus der safawidischen Epoche.
Mérida, Spanien
Aquädukt von ProserpinaDer Aquädukt von Proserpina wurde im zweiten Jahrhundert nach Christus erbaut und versorgte die römische Kolonie Emerita Augusta mit Wasser. Die Konstruktion besteht aus drei übereinanderliegenden Bogenreihen aus Granitblöcken und erreicht eine Höhe von 30 Metern. Der Aquädukt transportierte Wasser vom Proserpina-Stausee zur Stadt über eine Distanz von mehreren Kilometern. Die Anlage zeigt die fortgeschrittenen hydraulischen Kenntnisse der römischen Ingenieure und gehört zum archäologischen Ensemble von Mérida.
Rom, Italien
Porta MaggioreDie Porta Maggiore wurde im Jahr 52 nach Christus unter Kaiser Claudius errichtet und diente als architektonisches Element zur Überführung zweier bedeutender römischer Wasserleitungen über zwei wichtige Konsularstraßen. Die Aqua Claudia und die Anio Novus kreuzten an dieser Stelle die Via Praenestina und die Via Labicana. Die Konstruktion besteht aus großen Travertinblöcken und zeigt die charakteristische römische Bautechnik mit bossiertem Mauerwerk. Die beiden Durchgänge der Porta Maggiore waren ursprünglich Teil der Infrastruktur zur Wasserversorgung und wurden später in die Aurelianische Stadtmauer integriert.
Miseno, Italien
Piscina MirabilisDie Piscina Mirabilis ist eine römische Zisterne aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, die zur Wasserversorgung der in Misenum stationierten kaiserlichen Flotte errichtet wurde. Das unterirdische Bauwerk erstreckt sich über 70 Meter Länge und 25 Meter Breite und besteht aus fünf Schiffen, die durch 48 kreuzförmige Pfeiler getragen werden. Die Zisterne fasste etwa 12.600 Kubikmeter Trinkwasser, das über den Aquädukt Aqua Augusta aus Serino in Kampanien herangeleitet wurde. Die Gewölbedecke erreicht eine Höhe von fast 15 Metern und das gesamte Innere war mit wasserdichtem Zement ausgekleidet.
Segovia, Spanien
Aquädukt von SegoviaDer Aquädukt von Segovia wurde im 1. Jahrhundert nach Christus errichtet und versorgte die Stadt über Jahrhunderte mit Wasser aus dem Fluss Frío in der Sierra de Guadarrama. Die Konstruktion erstreckt sich über 15 Kilometer und erreicht ihre maximale Höhe von 28 Metern am Plaza del Azoguejo. Die römischen Ingenieure bauten die 166 Bögen aus Granitblöcken ohne Verwendung von Mörtel. Der Aquädukt blieb bis ins 20. Jahrhundert in Betrieb und transportierte täglich etwa 20.000 Liter Wasser in die Stadt.